Markt und Strategie

Weltweite Pharmamärkte werden durch Megatrends positiv geprägt

Die weltweiten Pharma- und Gesundheitsmärkte werden auch in den kommenden Jahren wachsen. Das Wachstum wird durch mehrere globale Megatrends getrieben:

  • Die Weltbevölkerung wird in den kommenden Jahren weiter zunehmen – jährlich um rd. 80 Millionen Menschen.
  • Das Durchschnittsalter der Weltbevölkerung steigt bis 2030 voraussichtlich um mehr als 5 Jahre bzw. 20 %.
  • Die Zahl der chronischen Erkrankungen nimmt rasant zu. Nach Schätzungen auf Basis von 91 Länderstudien wird allein die Zahl der Diabetiker (derzeit etwa 285 Millionen) um jährlich 7,7 % auf 439 Millionen Menschen bis 2030 anwachsen.
  • Infolge dieser Entwicklungen werden die Pro Kopf-Ausgaben für Gesundheit weltweit um jährlich 5 % steigen – deutlich stärker als das Bevölkerungswachstum.

Insgesamt werden die weltweiten Pharma- und Gesundheitsmärkte bis 2016 um durchschnittlich 4,8 % pro Jahr wachsen. Sie werden dann ein Gesamtvolumen von 1,2 Billionen Dollar erreichen.
Die Schwellen- und Entwicklungsländer werden fast 50 % des weltweiten Wachstums abdecken. Mit zunehmendem wirtschaftlichem Wohlstand und steigenden Ansprüchen an die Lebensqualität hat in diesen Ländern der Aufbau einer leistungsfähigen Gesundheitsversorgung hohe Priorität. Süd-Ost- sowie Ost-Asien und Lateinamerika werden mit jährlichen Steigerungsraten von 13 % bzw. 15 % die deutlichsten Wachstumsimpulse setzen.

Wettbewerb verändert Strukturen auf europäischen Pharmamärkten

In den weit entwickelten und hoch regulierten Märkten Europas ist ein moderates Wachstum von 0,7 % pro Jahr zu erwarten. Vor diesem Hintergrund wird der Wettbewerb auf den europäischen Pharma- und Gesundheitsmärkten weiter zunehmen. Wesentliche Ursache dafür ist das Auseinanderklaffen von weiter steigenden Gesundheitsausgaben einerseits und staatlichen Finanzierungsmöglichkeiten andererseits. Die jüngste Finanz- und Schuldenkrise hat den Druck auf die stark angespannten staatlichen Haushalte in Europa verstärkt. Die wesentlichen Folgen für die Märkte sind:

  • Kürzung der staatlichen Gesundheitsausgaben zu Lasten der Marktteilnehmer
  • Tendenz zur Deregulierung speziell des Pharma-Einzelhandels zur weiteren Entlastung der Staatshaushalte
  • Staatlich vorgeschriebener Einsatz kostengünstiger Generika nach Auslaufen von Arzneimittel-Patenten.

Diese Entwicklungen führen zu einem verschärften Wettbewerb um Margen und Marktanteile. Dabei verschieben sich die Marktstrukturen zunehmend in Richtung der Nachfrageseite. Der Pharma-Einzelhandel gewinnt gegenüber Herstellern, insbesondere aber gegenüber dem Großhandel an Bedeutung und Marktmacht. In stärker deregulierten Märkten treiben Drogeriemarktketten diese Entwicklung durch Konzentration und Konsolidierung weiter voran.

Aus Sicht des Pharma-Großhandels findet auf den Märkten eine Vorwärtsintegration in Richtung Einzelhandel statt. Das hat zwei wesentliche Folgen: Zum einen verschieben sich die Handelsmargen teilweise vom Großhandel zum Einzelhandel. Dadurch erhöht sich der Kostendruck. Zum Zweiten werden vom Großhandel in wachsendem Umfang maßgeschneiderte Logistiklösungen für Apotheken und für Hersteller verlangt. Damit verbinden sich auch neue Entlohnungsmodelle. Dieser Marktentwicklung folgend verändert sich der Pharma-Großhandel dadurch vom klassischen Händler zwischen Apotheken und Hersteller zu einem Service- und Logistikanbieter für Hersteller und Apotheken.

Wachsendes Gesundheitsbewusstsein stärkt den Pharma­Einzelhandel

Die wachsende Bedeutung des Pharma-Einzelhandels wird auf der Konsumentenseite auch durch ein stärkeres Gesundheitsbewusstsein gefördert. Patienten und Verbraucher kümmern sich zunehmend aktiv um ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden.

Die stärkere Eigenverantwortung führt zum Wunsch nach besserer Information, speziell über digitale Medien, sowie nach mehr Service und Beratung. Die Bereitschaft wächst, für pharmazeutisch kompetente Beratung und Service sowie für hochwertige Produkte rund um Gesundheit und Wohlbefinden eigenes Geld auszugeben.

Marktstudien zeigen, dass für die Mehrzahl der gesundheitsbewussten Verbraucher die Apotheke der bevorzugte Ansprechpartner für eine erste und umfassende Gesundheitsberatung ist. Aus Sicht der Gesundheitssysteme können durch Apotheken die Qualität der Gesundheitsversorgung gesteigert und Kosten gesenkt werden.

Unternehmensleitbild: Ausrichtung auf die Gesundheit der Kunden

Generell lässt sich festhalten: Über Erfolg auf den Pharma- und Gesundheitsmärkten entscheiden in Zukunft mehr denn je die Patienten und Verbraucher. Celesio hat sich in seinem Unternehmensleitbild darauf eingestellt.

Unsere Vision ist: Wir wollen zu einer gesünderen Welt beitragen, in der mehr Menschen ein möglichst erfülltes Leben führen können.

Unsere Mission ist es deshalb, mit innovativen und effizienten Gesundheitsdienstleistungen zu einem gesünderen und positiveren Leben beizutragen.

Das Leitbild setzt damit klare Akzente:

  • die Ausrichtung aller Kräfte auf das übergeordnete Ziel, Gesundheit und Lebensqualität für Patienten und Verbraucher zu verbessern
  • die Integration aller Prozesse und Leistungen zu diesem Zweck
  • das Vorantreiben von Innovation und Effizienz entlang der Wertschöpfungskette, um die Leistungsqualität für Patienten und Verbraucher ständig zu verbessern.

Das Unternehmensleitbild gibt damit Rahmen und Richtung für die Strategie und die Struktur von Celesio vor. Es ist das Versprechen des Unternehmens und seiner Mitarbeiter an Kunden und Gesellschaft. Die strategische Neuausrichtung ist die Einlösung dieses Versprechens.

Die neue Strategie: Rückkehr zu profitablem Wachstum

Die strategische Neuausrichtung von Celesio wurde Ende Oktober 2011vorgestellt. Ihre fünf Eckpunkte zielen kurzfristig auf die Ergebnisstabilisierung und Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens. Mittel- bis langfristig zielen die Maßnahmen auf eine Rückkehr zu profitablem Wachstum durch Innovation und Expansion im Kerngeschäft. Mit dem erfolgreichen Verkauf
des Bereichs Manufacturer Solutions und weiterer Aktivitäten sowie mit der Umsetzung des Operational Excellence Program (OEP) wurden zwei wesentliche Eckpunkte bereits erfüllt. Die angestrebte und strategisch wichtige Fokussierung auf das Kerngeschäft wurde damit realisiert. Celesio konzentriert sich jetzt auf Initiativen und Projekte zur Weiterentwicklung des Kerngeschäfts mit dem Ziel der
Rückkehr zu profitablem Wachstum. Celesio verfolgt dabei eine an der Dynamik der Märkte orientierte Strategie der Vorwärtsintegration und Innovation.

  • Ausbau des Apothekengeschäfts:
    Apotheken werden in Zukunft eine noch stärkere Rolle für die individuelle
    und für die öffentliche Gesundheitsversorgung spielen. Gründe sind:
    • die Verschiebung der Marktstrukturen in Richtung Einzelhandel
    • die wachsenden Gesundheitsbedürfnisse der Patienten und Verbraucher
    • die Notwendigkeit, durch effiziente Strukturen und Lösungen die Kosten der Gesundheitssysteme zu senken.
    Deshalb wird Celesio sich stärker auf sein Apothekengeschäft konzentrieren und dieses europaweit ausbauen. Unter dem Markennamen »Lloyds« hat Celesio deshalb mit der Einführung eines innovativen Apothekenkonzepts mit neuen Service- und Produktangeboten begonnen. Dieses ist das Herzstück des geplanten Europäischen Apothekennetzwerks. In diesem Netzwerk werden die eigenen Celesio-Apotheken mit den Celesio-Partnerapotheken zu einem partnerschaftlichen Verbund integriert. Neue Konzepte lassen sich dadurch schneller entwickeln und vermarkten. Gleichzeitig werden Größenvorteile bei Einkauf und Marketing erzielt. Als Partner des Netzwerks werden auch selbstständige, inhabergeführte Apotheken in einem sich zunehmend verschärfenden Wettbewerb profitieren. Die Apotheken verbessern ihre Perspektiven durch eine höhere Attraktivität für Kunden und durch Produkt- und Serviceangebote mit höheren Margen. Diese Vorteile des Netzwerks führen zu einer steigenden Anzahl von Kooperationspartnern.
  • »End to end«-Integration von Einzelhandel und Großhandel
    Die Veränderungen auf den internationalen Pharmamärkten in Richtung Einzelhandel lässt ein unverbundenes Nebeneinander von Groß- und Einzelhandel immer weniger zu. In der durchgängigen Integration und Zusammenarbeit liegen enorme Wertpotenziale. Celesio will auch hier Schrittmacher und Innovationsführer sein. Dies verlangt vom Großhandel vor allem die Entwicklung neuer Service- und Logistiklösungen. Diese liegen in der Integration und im intelligenten Management aller Logistikstufen und -prozesse – »End to End«, d. h. vom Hersteller bis zur Apotheke. Dadurch lassen sich erhebliche Synergien heben und für alle Marktteilnehmer hohe Effizienzgewinne erzielen. Der Großhandel entwickelt sich dadurch für Apotheken und Hersteller zum bevorzugten Logistikpartner mit Full-Service-Kompetenz. Durch maßgeschneiderte Logistiklösungen, z. B. für Spezialarzneimittel oder optimiertes Lagermanagement für Apotheken, lassen sich auf Hersteller- wie auf Apothekenseite neue Kunden gewinnen. Daraus entstehen für den Großhandel attraktive Wachstumsmöglichkeiten. Die konsequente Verbindung von Einzelhandel und Großhandel über eine »End to end«-Strategie treibt zudem die Entwicklung von Celesio zu einem Unternehmen mit klarer und einheitlicher Identität voran. Leistungsprozesse und die unternehmensinterne Zusammenarbeit werden auf effiziente Weise integriert und auf ein Ziel ausgerichtet: die Wünsche und Bedürfnisse der Patienten und Verbraucher.
  • Regionale Expansion
    Das starke wirtschaftliche Wachstum in den Schwellen- und Entwicklungs­ländern hält auch in den nächsten Jahren an. Der Aufbau einer leistungsfähigen Gesundheitsversorgung hat hier hohe Priorität. Dadurch ergeben sich für die innovativen Konzepte von Celesio attraktive Expansionschancen. Nach dem erfolgreichen Einstieg in den brasilianischen Wachstumsmarkt hat Celesio hier inzwischen eine starke Marktposition erreicht. Celesio ist inzwischen das siebtgrößte deutsche Unternehmen in Brasilien. Mittelfristig werden wir auch Wachstumsmärkte außerhalb Lateinamerikas in den Fokus nehmen.

Neue Konzernstruktur fördert Integration und Zusammenarbeit

Mitte 2012 hat Celesio eine neue Organisationsstruktur eingeführt. Sie setzt auf Integration der Prozesse, Austausch von Erfahrung und Know-how sowie auf übergreifende Zusammenarbeit. Sie unterstützt damit die Umsetzung der strategischen Neuausrichtung. Sie macht Celesio insgesamt schlanker, schlagkräftiger und flexibler. Die neue Organisationsstruktur ist konzernweit einheitlich. Sie gliedert sich in vier Unternehmensbereiche:

  • Marketing and Sales
  • Operations
  • Governance Functions
  • Support Functions

In der neuen Organisation werden die operativen Leistungs- und Serviceprozesse des Celesio-Konzerns, die vom Hersteller über Großhandel und Apotheken bis zum Apothekenkunden reichen, erstmals wirkungsvoll miteinander verzahnt. Dadurch entsteht ein durchgängiger Wertschöpfungsprozess. Dieser wird durch die neue Struktur klar auf die Apotheke und die Apothekenkunden ausgerichtet. Übergreifende Funktionen wie zum Beispiel Einkauf und IT werden in sinnvollem Umfang zentral gebündelt und fördern die Steigerung der Produktivität.

Die neue Organisation fördert dadurch die Innovationsentwicklung. Sie steigert darüber hinaus die Effizienz, indem bisher ungenutzte Synergiepotenziale realisiert werden.

Strategische Roadmap:
Stabilisierung, Neuausrichtung, Wachstum

Für die Umsetzung der Projekte der strategischen Neuausrichtung wurden klare Prioritäten festgelegt. Diese spiegeln sich in der strategischen Roadmap wieder.

Angesichts der seit 2007 negativen Ergebnisentwicklung war die schnelle Ergebnisstabilisierung im Jahr 2012 das vorrangige Ziel. Damit einhergehend wurde das OEP im abgelaufenen Geschäftsjahr konsequent vorangetrieben. Darüber hinaus erfolgte die Überprüfung des Verkaufs des Bereichs Manufacturer Solutions und weiterer Desinvestments. Weitere Schwerpunkte waren die Finalisierung der Konzepte für die Projekte End-to-end Supply Chain und Europäisches Apothekennetzwerk sowie die Einführung der neuen Konzernstruktur.

Für das Jahr 2013 sieht die Roadmap unter der Überschrift »Neuausrichtung« die Pilotierung der Projekte Europäisches Apothekennetzwerk und End-to-end Supply Chain vor. Das Jahr 2013 ist damit ein Jahr der Innovationen und ihrer marktreifen Entwicklung. Die Roadmap sieht darüber hinaus die Weiterführung des OEP bis zur vollständigen Umsetzung und Wirkung aller Maßnahmen vor.

Für das Jahr 2014 ist unter der Überschrift »Wachstum« die breite Markteinführung der beiden strategischen Schlüsselprojekte Europäisches Apothekennetzwerk sowie End-to-End-Supply Chain geplant.

STRATEGISCHE ROADMAP
 

Bilanz der Umsetzung: Agenda für 2012 erfolgreich realisiert

Wie in der strategischen Roadmap vorgesehen, wurde die Umsetzung des OEP im Jahr 2012 konsequent vorangetrieben. Ziel war eine schnelle und nachhaltige Ergebnisstabilisierung. Die Maßnahmen wurden erfolgreich eingeleitet und bereits im Jahr 2012 weitgehend umgesetzt. Sie umfassten im Wesentlichen die Reduzierung von Fixkosten, die konzernweite Bündelung der Einkaufsaktivitäten, die Restrukturierung des schwedischen Apothekengeschäfts und die Optimierung des internationalen Logistiknetzwerks. Mittelfristig führen die Maßnahmen des OEP zu einer nachhaltigen Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit durch effiziente Leistungs- und Kostenstrukturen. Dies ist die Voraussetzung für die nachhaltige Rückkehr zu profitablem Wachstum.

Ebenso konnte das Desinvestmentprogramm im Jahr 2012 weitestgehend abgeschlossen werden – deutlich früher als geplant. Dies umfasste den Verkauf des Geschäftsbereichs Manufacturer Solutions mit den Tochtergesellschaften Movianto und Pharmexx, den Verkauf der Versandhandelsapotheke DocMorris sowie von Aktivitäten in der Tschechischen Republik und in Irland. Für den Verkauf der irischen Aktivitäten wird das Closing im ersten Halbjahr 2013 erwartet.

Ziel der Desinvestitionen war eine noch stärkere Konzentration der Ressourcen auf die Weiterentwicklung des Kerngeschäfts. Im Falle von DocMorris wurde durch den Verkauf der sogenannte Kanalkonflikt mit den deutschen Apotheken gelöst und damit der Weg für neue Partnerschaften freigemacht.

Im letzten Quartal 2012 wurde das Wachstumskonzept Europäisches Apothekennetzwerk in die Pilotphase überführt. Im Dezember 2012 wurde das Konzept zunächst in vier Pilotapotheken in Italien und Großbritannien umgesetzt und mit positiver Resonanz der Öffentlichkeit vorgestellt.

Die Neuorganisation des Celesio-Konzerns und die Umsetzung der neuen Organisation in die Landesgesellschaften konnten im Jahr 2012 weitgehend abgeschlossen werden.

Die Geschäftsentwicklung im Jahr 2012 zeigt, dass die umgesetzten Maßnahmen zu der erwarteten positiven Wirkung geführt haben.


Stand: 26.03.2013

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